So erzeugen andere Wallets ihre Seed Phrases und stellen eine Alternative für betroffene Coldcard-Nutzer dar.
Ende Juli 2026 wurde ein schwerwiegender Fehler in der Seed-Generierung der Coldcard-Hardware-Wallets von Coinkite bekannt. Ein Firmware-Bug, der seit März 2021 (ab Version 4.0.0/4.0.1) bestand, sorgte dafür, dass die Geräte bei der Erzeugung von BIP-39-Seed-Phrasen nicht den vorgesehenen Hardware-True-Random-Number-Generator (TRNG) nutzten. Stattdessen fiel die Firmware auf einen schwachen Software-Pseudozufallszahlengenerator (Yasmarang aus MicroPython) zurück. Der Auslöser war ein fehlerhafter Build-Check: Eine Makro-Prüfung prüfte nur, ob eine Einstellung definiert war, nicht deren Wert. Dadurch wurde der Hardware-Zufall umgangen und der Generator mit vorhersehbaren Werten wie Chip-UID, SysTick-Timer und RTC-Registern initialisiert.
Bei Mk3-Geräten (und teilweise Mk2) sank die effektive Entropie auf rund 40 Bit statt der erwarteten 128 Bit – ein Suchraum, der mit moderner Rechenleistung offline durchsuchbar ist. Bei Mk4, Mk5 und Q lag sie bei ca. 72 Bit. Angreifer rekonstruierten die Seeds offline aus öffentlichen Adressen und leerten in wenigen Minuten hunderte Single-Sig-Wallets. Schätzungen sprechen von zunächst rund 594 BTC (ca. 38 Mio. USD), später von deutlich höheren Beträgen bis über 70–75 Mio. USD. Viele betroffene Wallets waren jahrelang dormant. Ein Firmware-Update behebt nur die Neugenerierung – bestehende schwache Seeds bleiben kompromittiert und müssen durch neue ersetzt werden. Coinkite vermutet, dass KI den Open-Source-Code ausgenutzt hat.
Dieser Vorfall hat die Branche aufgeschreckt. Viele Hersteller haben sich zu ihrer eigenen Seed-Generierung und Sicherheit geäußert. Hier eine Zusammenfassung ihrer Statements (Stand Anfang August 2026), basierend auf ihren X-Posts und Blog-Einträgen.
OneKey
OneKey betont klar: Du bist nicht betroffen. Das Problem liege spezifisch an Coldcards Implementierung, Firmware und Abhängigkeiten – OneKey nutze nichts davon. Die Entropie für die Recovery Phrase wird komplett on-device erzeugt, indem unabhängige Zufallsquellen aus Secure Element und MCU kombiniert werden. Das Core-Secure-Element ist EAL6+-zertifiziert und erfüllt strenge Anforderungen an sichere Zufallszahlengenerierung. Die Firmware ist vollständig Open Source und wird kontinuierlich von der Community geprüft. OneKey verweist auf detaillierte Dokumentation zur Seed-Generierung.
Ledger
Ledger stellt fest: Ledger ist nicht von der Coldcard-Mk3-Advisory betroffen. Die Geräte nutzen einen zertifizierten True Random Number Generator (TRNG), der direkt im Secure-Element-Chip integriert ist und volle 256 Bit Entropie für jede 24-Wort-Secret-Recovery-Phrase erzeugt. Die Architektur arbeitet unabhängig von der Firmware.
Trezor
Trezor-Nutzer: Deine Funds sind sicher. Das Coldcard-Problem beschränke sich auf deren eigene Custom-Firmware und die Art, wie manche Geräte Zufall generierten. Trezor teile diesen Code nicht. Seit jeher mischt Trezor mehrere unabhängige Zufallsquellen (Geräte-Hardware + Host + Secure Elements bei neueren Modellen). Wichtig: Wenn du einen Seed von einem betroffenen Coldcard importiert hast, bleibt er schwach – der Fehler steckt in der ursprünglichen Generierung, nicht im aktuellen Gerät. In dem Fall solltest du einen frischen Seed auf dem Trezor erzeugen und die Funds sorgfältig umziehen.
Blockstream (Jade)
Jade ist nicht betroffen. Jede Recovery Phrase entsteht aus mehreren unabhängigen Entropie-Quellen (u. a. User-Input, CPU-Counter, Batteriezustand, Temperatur, Kamerabilder beim Boot, Hardware-CRNG und Entropie aus der Companion-App). Blockstream hat einen eigenen Blog-Post veröffentlicht und rät betroffenen Coldcard-Nutzern zur ruhigen Migration auf frische Keys.
BitBox (Shift Crypto)
BitBox02 und BitBox02 Nova sind nicht betroffen. Ein BitBox-Seed kombiniert fünf unabhängige Entropie-Quellen – eine schwache Quelle allein kompromittiert das Ergebnis nicht. Hardware, Firmware und Code unterscheiden sich grundlegend von Coldcard. Ausnahme: Wenn du einen ursprünglich auf einem betroffenen Coldcard generierten Seed auf dem BitBox wiederhergestellt hast, bleibt dieser Seed potenziell schwach. Dann erzeuge einen neuen auf dem BitBox und übertrage die Funds.
Tangem
Gute Nachrichten für Tangem-Halter: Deine Assets bleiben voll gesichert. Der Coldcard-Fall ist für Tangem irrelevant – er betrifft deren proprietäre Firmware und einen gerätespezifischen Zufallsfehler. Tangem läuft auf komplett separatem Code. Private Keys werden vollständig im EAL6+-zertifizierten Samsung Secure Element mit dessen eingebautem Hardware-TRNG erzeugt und verlassen den Chip nie. Firmware und Architektur wurden u. a. von Kudelski, Riscure und Cure53 auditiert. Auch hier gilt: Importierte Coldcard-Seeds bleiben potenziell betroffen.
Keystone
Keystone (vor allem über X/@KeystoneWallet, 31. Juli und 1. August 2026):
Sie positionierten sich aktiv im Kontext des Incidents und erklärten, dass ihre Seed-Generierung robuster sei. Keystone 3 Pro nutze zwei separate Secure-Element-Chips (u. a. Microchip ATECC608B und Maxim DS28S60 von unterschiedlichen Herstellern), die jeweils echte Zufallszahlen erzeugen; die Outputs werden kombiniert, sodass ein einzelner fehlerhafter Chip den Seed nicht kompromittiert. Sie bewerben stark die optionale Dice-Roll-Entropie (99 Würfelwürfe für ca. 256 Bit) als „trustless“ Alternative ohne Abhängigkeit von Chips und empfehlen BIP-39-Passphrases. In Posts heißt es sinngemäß: „If you’re holding Keystone 3 Pro, your seed phrase generation is already more secure than most“ und „Keystone-generated seed phrases are safe“. Es gibt keine lange formale Advisory-Seite, aber die X-Posts und Community-Bestätigungen (u. a. „Dual secure chips + strong dice-roll entropy option“) machen klar, dass sie nicht betroffen sind.
So generiert eine Keystone deine Seed:
Primär: Zwei unabhängige Secure Elements (ATECC608B und DS28S60, NIST-SP-800-90B-kompatible TRNGs) erzeugen jeweils Zufallszahlen; diese werden kombiniert, bevor der BIP-39-Seed (12 oder 24 Wörter) entsteht. Das reduziert das Single-Point-of-Failure-Risiko.
Optional: Reine Dice-Roll-Entropie (Firmware prüft Mindestanzahl: z. B. 50 Würfe für 12 Wörter / ca. 128 Bit, 99–100 für 24 Wörter / ca. 256 Bit; neuere Firmware verhindert unzureichende Entropie).
Unterstützt BIP-39-Passphrase und Import. Air-gapped-Design.
Ellipal
Ellipal (offizielle Note auf X/@ELLIPAL und ausführlicher Blog-Post vom 1. August 2026):
„Official note on the Coldcard advisory: ELLIPAL’s RNG is fine. On the Titan, seeds come from the hardware TRNG alone. No software fallback. If you would rather check than believe, any ELLIPAL accepts a seed you generated yourself. Verify, then own.“
Der Blog-Artikel („Coldcard RNG Vulnerability Explained“) erklärt den Coldcard-Bug detailliert (Build-Fehler, Fallback auf Software-PRNG) und stellt klar, warum Ellipal nicht betroffen ist: Beim Titan 2.0 gibt es genau einen Hardware-TRNG-Pfad im CC EAL5+-zertifizierten Secure Chip, keinen Software-Fallback. Fehlt der Hardware-Zufall, scheitert die Key-Generierung („fail closed“). Das Gerät ist air-gapped (kein USB-Daten, kein Bluetooth/WiFi). Sie betonen Transparenz und „trustless trust“: Nutzer können Seeds selbst generieren (z. B. mit ihrem offline Joy-Gerät, Dice oder anderen Tools) und importieren – die Sicherheit hängt dann nicht vom Vendor ab. BIP-39-Passphrases werden unterstützt.
So generiert eine Ellipal Wallet deine Seed:
Primär: Ausschließlich Hardware-TRNG des Secure Chips (kein konkurrierender Software-Pfad, kein Enable-Flag, das falsch gesetzt werden könnte, kein Fallback).
Starkes Feature: Jedes Gerät akzeptiert extern generierte BIP-39-Seeds (Dice, Joy-Gerät mit offenem Source-Code, SeedSigner o. Ä.). Import erfolgt offline.
Air-gapped, BIP-39-Passphrase-Support. Nutzer können die Zufälligkeit selbst verifizieren und kontrollieren.
Foundation (Passport)
Wenn dein Seed auf Passport Prime oder Passport Core generiert wurde, bist du nicht betroffen. Beide Geräte nutzen völlig anderen Seed-Generierungs-Code und hatten diesen Bug nie. Passport kombiniert mehrere unabhängige Hardware-Zufallsquellen, darunter einen Avalanche-Noise-Circuit. Die Firmware ist Open Source, Builds sind reproduzierbar, und es gibt veröffentlichte Audits. Foundation hat nach dem Vorfall eine zusätzliche Überprüfung der Entropie-Architektur durchgeführt und keine Schwachstelle gefunden. Auch hier: Importierte Coldcard-Seeds bleiben schwach.
SafePal
Seed-Phrasen, die von SafePal S1 / S1 Pro / X1 generiert wurden, sind nicht betroffen. Du musst deinen Seed nicht neu erzeugen oder Funds bewegen. SafePal setzt auf Dual-Chip-Architektur und kryptografisches Mixing: Bei jeder Wallet-Erstellung wird frische True-Random-Entropie vom Gerät gezogen, ohne Abhängigkeit von einer einzelnen Quelle. Auch hier gilt die Warnung für importierte Coldcard-Seeds.
Weitere Hersteller (ERA, Ryder, Keycard Shell, D’CENT)
Zu ERA, Ryder, Keycard Shell und D’CENT liegen aktuell keine öffentlichen Statements vor, die den Coldcard-Vorfall direkt adressieren. Bei vielen dieser Produkte basiert die Seed-Generierung auf eigenen Secure-Element- oder Multi-Source-Ansätzen, die sich architektonisch von Coldcards MicroPython-Fallback unterscheiden. Ohne konkrete Hersteller-Aussagen solltest du die jeweiligen Dokumentationen und Audits selbst prüfen und im Zweifel auf frische, geräteeigene Seeds setzen.
Was du daraus mitnehmen solltest
Der Coldcard-Fall zeigt eindrücklich: Die Sicherheit deines Wallets steht und fällt mit der Entropie der Seed-Phrase. Viele Hersteller setzen bewusst auf Multi-Source-Ansätze (Hardware-TRNG + Secure Element + Host-Entropie + physikalische Quellen), zertifizierte Chips und Open-Source-Code, um genau solche Single-Point-of-Failure zu vermeiden.
Ein schwacher Seed bleibt schwach – egal, auf welches Gerät du ihn später lädst. Dice-Rolls (ausreichend viele, private und faire) oder eine starke BIP-39-Passphrase können zusätzliche Sicherheit bieten. Für große Beträge bleibt Multisig eine sinnvolle Absicherung.
Bleib wachsam gegenüber Scams: Niemand braucht deine Seed-Phrase, PIN oder Private Keys – weder per DM, E-Mail noch „Recovery-Service“. Nutze nur offizielle Kanäle und aktualisiere Firmware ausschließlich über die Hersteller-Seiten.
Die Branche reagiert transparent und betont die Unterschiede in der Architektur. Das ist gut so. Prüfe deine eigenen Seeds und setze im Zweifel auf frische, korrekt generierte Keys. Selbstverwahrung funktioniert am besten, wenn du die Zufälligkeit hinter deinen Seeds verstehst und nicht blind vertraust.
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