Alles, was du über die neue Hardware Wallet des US-Herstellers Foundation wissen musst.
Als ich vor einigen Wochen die Foundation Passport Prime in die Hände bekam, war ich zunächst skeptisch. Hardware-Wallets gibt es inzwischen in großer Zahl, und viele versprechen Sicherheit für Bitcoin und mehr. Doch dieses Gerät positioniert sich von Anfang an anders. Es nennt sich nicht einfach nur Wallet, sondern Personal Security Platform oder Human Authority Hardware. Foundation Devices, das US-amerikanische Unternehmen hinter dem Produkt, hat sich über Jahre einen Namen mit der Passport-Serie gemacht, die vor allem Bitcoin-Self-Custody in den Mittelpunkt stellte. Mit der Passport Prime, die 2025 angekündigt und ab 2026 in größerem Umfang verfügbar wurde, geht das Unternehmen deutlich weiter. Es handelt sich um ein kompaktes Gerät, das Bitcoin-Keys offline hält, gleichzeitig aber 2FA-Codes speichert, als FIDO2-Security-Key fungiert, verschlüsselte Dateien verwahrt und über das eigene Betriebssystem KeyOS erweiterbar ist. Der Preis liegt bei 349 US-Dollar, und das Gerät wird in den USA montiert. In meinem Test habe ich es über mehrere Wochen im Alltag eingesetzt, Transaktionen signiert, Backups erstellt und die zusätzlichen Funktionen ausprobiert. Das Ergebnis ist ein Gerät, das mehr kann als die meisten reinen Bitcoin-Signer, aber auch andere Anforderungen an den Nutzer stellt.
Foundation selbst beschreibt die Passport Prime als dedizierte Hardware, die menschliche Autorität über digitale Aktionen sicherstellt. In einer Zeit, in der Software und zunehmend auch KI-Agenten immer mehr Entscheidungen treffen können, soll das Gerät die letzte Instanz bleiben, die explizit genehmigt. Das klingt ambitioniert, und im praktischen Umgang merkt man, dass Foundation hier nicht nur Marketing betreibt. Das Gerät läuft mit KeyOS, einem in Rust geschriebenen Microkernel-Betriebssystem, das auf dem offenen Xous-Kernel basiert. Apps laufen in isolierten Sandboxes, und der Master-Key bleibt geschützt. Die Passport-Serie war schon zuvor für ihre Open-Source-Ausrichtung bekannt, und auch hier sind Hardware und Software offen. Die Prime baut auf den Erfahrungen der früheren Generationen auf, bringt aber ein größeres Display, drahtlose Verbindungen und deutlich mehr Speicher mit. Im Test wirkte sie weniger wie ein reiner Signer und mehr wie ein kleines, spezialisiertes Smartphone für Sicherheitsthemen.
Beim Auspacken fällt zuerst die Optik auf. Das Gerät misst 55,5 mal 104,8 mal 11 Millimeter und wiegt 93 Gramm. Es liegt damit in der Hand wie ein etwas dickeres Smartphone-Modell in Miniaturform, ist aber schmal genug, um in eine Hosentasche oder ein Portemonnaie zu passen. Das Gehäuse besteht aus eloxiertem Aluminium und fühlt sich solide an. Es gibt Farbvarianten wie Midnight Bronze und Arctic Copper, die dezent und hochwertig wirken. Die Vorderseite wird von einem 3,5-Zoll-IPS-Touchscreen mit Gorilla-Glas dominiert. Die Auflösung beträgt 480 mal 800 Pixel, und das Display ist hell und klar genug, um QR-Codes gut zu scannen und Texte problemlos zu lesen. Unter dem Display sitzt ein virtueller Home-Button mit LEDs und haptischem Feedback. Die Haptik ist angenehm: Das Gerät fühlt sich nicht billig oder klapprig an, sondern wie ein solides Stück Technik. Die Kanten sind sauber verarbeitet, und das Gewicht verteilt sich ausgewogen. Im Vergleich zu älteren Passport-Modellen oder zu anderen Hardware-Wallets wie der Coldcard oder dem Trezor wirkt die Prime moderner und näher an einem Consumer-Gerät. Die Spritzwasserschutz-Zertifizierung war zum Zeitpunkt meines Tests noch ausstehend, aber das Gehäuse vermittelt den Eindruck, den Alltag problemlos zu überstehen. Der USB-C-Anschluss dient dem Laden und dem Datenaustausch, und der integrierte 1100-mAh-Akku hält bei normaler Nutzung mehrere Tage. Die Kamera auf der Rückseite oder an der entsprechenden Position ist für QR-Codes optimiert und arbeitet zuverlässig. Insgesamt hinterlässt das Design den Eindruck eines durchdachten Produkts, das man gerne in die Hand nimmt und nicht nur als reines Sicherheitswerkzeug betrachtet.

Sicherheit steht bei Foundation im Vordergrund, und hier geht die Passport Prime in die Details. Der Prozessor ist ein Microchip SAMA5D2 Security Processor, ergänzt um ein ATECC608C Secure Element. Sensitive Daten werden so verteilt, dass ein einzelner Kompromittierungsversuch nicht ausreicht. Es gibt aktive Tamper-Protection: Bei Versuchen, das Gerät zu öffnen oder die Platine zu manipulieren, wird der Inhalt gelöscht. Nach zehn falschen PIN-Eingaben löscht sich der Master-Key ebenfalls. Der PIN kann sechs bis zwölf Stellen umfassen oder alphanumerisch sein. Besonders interessant ist die Entropie-Generierung, ein Thema, das in der Hardware-Wallet-Community immer wieder diskutiert wird. Die Passport Prime erzeugt den Master-Key aus mehreren unabhängigen Hardware-Quellen: dem Avalanche Noise Source, einer offenen Architektur für echte Zufallszahlen, dem True Random Number Generator des Microcontrollers und dem Secure Element. In aktuellen Firmware-Versionen wurden Anpassungen vorgenommen, um alle verfügbaren Quellen konsequent einzubeziehen. Fortgeschrittene Nutzer können eigene Entropie hinzufügen, etwa durch manuelles Ziehen von BIP39-Wörtern. Im Test habe ich die Standardmethode genutzt und mich auf die Hardware verlassen. Die Open-Source-Natur erlaubt es, den Code zu prüfen, und es gab ein unabhängiges Audit durch Keylabs, das keine kritischen oder hohen Findings meldete. Backups erfolgen standardmäßig über 2-of-3 Shamir Secret Sharing (SLIP-39) auf NFC-Keycards. Drei Karten mit Faraday-Sleeves liegen bei, zwei reichen zur Wiederherstellung. Optional gibt es Magic Backups über die Companion-App Envoy, bei denen verschlüsselte Teile in der Cloud landen, ohne dass Foundation Zugriff auf Klartext hat. Die QuantumLink-Bluetooth-Verbindung nutzt post-quantum-sichere Verschlüsselung auf einem dedizierten Chip, der vom Sicherheitsprozessor isoliert ist. Selbst wenn der Bluetooth-Chip kompromittiert wäre, könnte er die Daten nicht entschlüsseln. Das Gerät unterstützt auch air-gapped Betrieb über QR-Codes oder microSD. Im Vergleich zu streng air-gapped Geräten ohne Funk erhöht dies die Angriffsfläche etwas, aber die Isolation und Verschlüsselung mindern das Risiko spürbar. Supply-Chain-Checks beim ersten Start und die Montage in den USA tragen zur Vertrauenswürdigkeit bei.
Die Funktionen gehen weit über das Signieren von Bitcoin-Transaktionen hinaus. Das Bitcoin-Wallet-App unterstützt Single-Sig und Multisig, Passphrases, temporäre Seeds, Address-Verification, Message-Signing und gängige Formate einschließlich Taproot. Es arbeitet mit Envoy für Single-Sig und mit Tools wie Sparrow, Nunchuk, Specter oder BlueWallet für Multisig. Der Vault speichert zusätzliche Seeds, Passwörter und Nostr-Keys, die deterministisch aus dem Master-Key abgeleitet werden können. Die 2FA-App speichert TOTP-Codes offline. Die Security-Keys-App ersetzt YubiKeys und erzeugt FIDO2-Keys für NFC oder USB. Der 50-GB-verschlüsselte Speicher mit Airlock-Funktion erlaubt, Dateien so zu trennen, dass beim Anschließen an einen Rechner nur bestimmte Bereiche sichtbar werden. KeyOS ermöglicht Sandbox-Apps, und Cake Wallet war als eine der ersten Drittanbieter-Apps angekündigt, um weitere Assets zu unterstützen. Die Bedienung erfolgt über den Touchscreen mit haptischem Feedback am Home-Button. Der Launcher zeigt App-Kacheln, einen Bitcoin-Preisgraphen und einen universellen QR-Scanner. Im Test war die Navigation intuitiv, ähnlich einem vereinfachten Smartphone. Setup dauert nach Angaben etwa 18 Minuten und führt Schritt für Schritt durch PIN, Key-Generierung und Backup.

Beim Coin Support konzentriert sich die native Wallet klar auf Bitcoin. Mainnet und Testnet werden unterstützt, Multisig bis zu 15 Signern ist möglich. Andere Coins kommen über Drittanbieter-Apps wie Cake Wallet in Reichweite, das Monero und weitere Assets abdeckt. Das ist kein Multi-Coin-Gerät im klassischen Sinne, sondern Bitcoin-first mit Erweiterbarkeit. Für reine Bitcoin-Nutzer ist das ausreichend und sogar vorteilhaft, weil die Angriffsfläche kleiner bleibt. DeFi-Funktionen sind native begrenzt. Es gibt Ankündigungen zu Bitcoin-backed Loans über DLC-Verträge mit Partnern wie Lygos, bei denen die Keys auf dem Gerät bleiben. Direkte Interaktion mit Ethereum-basierten DeFi-Protokollen oder komplexen Smart Contracts gehört nicht zum Kernumfang. Über zukünftige KeyOS-Apps könnten Approval-Flows für AI-Agenten oder Policy-Engine für Ausgaben entstehen, doch im aktuellen Stand bleibt DeFi eher Zukunftsmusik. Wer intensiv in DeFi unterwegs ist, wird weiterhin Software-Wallets oder spezielle Signer brauchen und die Prime eher als Cold-Storage- und Approval-Layer nutzen.
Die Bedienung und das Nutzererlebnis sind Punkte, die im Test positiv aufgefallen sind. Der Touchscreen reagiert präzise, und die haptischen Rückmeldungen geben Sicherheit bei Bestätigungen. Die Envoy-App auf dem Smartphone übernimmt Setup, Firmware-Updates und die Single-Sig-Verwaltung über QuantumLink. Für Multisig wechselt man zu Desktop-Tools, was etwas mehr Aufwand bedeutet, aber gängige Praxis ist. Die Universal-QR-Scanner-Funktion erkennt automatisch, was gescannt wird, und leitet es an die richtige App weiter. Dateien im verschlüsselten Speicher zu verwalten, fühlt sich an wie ein sicherer USB-Stick mit Extra-Schutz. Im Alltag habe ich die 2FA-Codes und den Security-Key häufig genutzt und so mein Smartphone entlastet. Die Batterielaufzeit reichte für mehrere Tage intensiver Nutzung. Firmware-Updates laufen über Bluetooth und werden verifiziert. Ein kleiner Nachteil ist, dass reproduzierbare Builds zum Zeitpunkt meines Tests noch nicht vollständig verfügbar waren, was für absolute Puristen relevant sein kann. Das Gerät fühlt sich insgesamt durchdacht an, und die Smartphone-ähnliche Oberfläche senkt die Einstiegshürde im Vergleich zu textbasierten oder button-lastigen Alternativen.

Zu den Vorteilen zählt die Kombination aus starker Bitcoin-Sicherheit und zusätzlichen Funktionen in einem Gerät. Die Open-Source-Basis, das Audit, die multiple Entropie-Quellen und die Shamir-Backups auf Keycards schaffen Vertrauen. Die Erweiterbarkeit über KeyOS und die Isolation der Apps sind zukunftsweisend. Die Verarbeitung und das Display machen den Umgang angenehm. Assembled in the USA und die Supply-Chain-Checks sind weitere Pluspunkte. Nachteile ergeben sich aus dem Preis, der höher liegt als bei reinen Bitcoin-Signern. Die größere Funktionsvielfalt vergrößert theoretisch die Angriffsfläche. Bluetooth und NFC sind bequem, erfordern aber Vertrauen in die Isolation. Der native Fokus auf Bitcoin bedeutet, dass Multi-Asset-Nutzer auf Apps angewiesen sind. Reproduzierbare Builds fehlten noch, und der DeFi-Support ist begrenzt. Für absolute Minimalisten, die nur air-gapped signieren wollen, mag das Gerät überdimensioniert wirken.
Nach mehreren Wochen Nutzung bleibt bei mir der Eindruck eines ausgereiften und mutigen Produkts. Die Passport Prime löst nicht jedes Problem der digitalen Sicherheit, aber sie bündelt wichtige Aspekte sinnvoll. Wer Bitcoin ernsthaft selbst verwahren und gleichzeitig 2FA, Security-Keys und sensible Dateien offline halten möchte, findet hier eine überzeugende Lösung. Foundation hat mit KeyOS und dem Konzept der Human Authority Hardware einen Weg eingeschlagen, der über klassische Hardware-Wallets hinausgeht. Ob das Gerät langfristig den Erwartungen an App-Ökosystem und weitere Integrationen gerecht wird, wird die Zeit zeigen. In meinem Test hat es die gestellten Aufgaben zuverlässig und mit angenehmem Handling erfüllt. Es ist kein Spielzeug und verlangt etwas Einarbeitung, belohnt aber mit einem hohen Maß an Kontrolle und Übersicht. Für Power-User und alle, die ihre digitale Autorität nicht dem Smartphone überlassen wollen, ist die Passport Prime eine ernstzunehmende Option, die ich nach dem Test gerne weiterempfehle.
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